Verkehrte Welt

Hasen, die den Jäger braten

Die Grobheit breitet jetzt sich aus und wohnt beinah in jedem Haus.
(Sebastian Brant, Das Narrenschiff, 1494)

 

NP-14Das Gedankenspiel von der „Verkehrten Welt“ erfreute sich immer dann großer Beliebtheit, wenn die wirkliche Welt als unwirtlich, unsicher oder ungerecht empfunden wurde. Die Umsetzung phantastischer Vorstellungen in Bilder lag nahe. Sie popularisierte die verkehrte Welt auch bei Analphabeten. Die Phantasie der Künstler brachte in vielen Ländern Europas immer neue Varianten desselben Themas hervor. Besonders beliebt waren Vignetten und Serien kleiner Bilder, die zu Bilderbögen zusammengestellt wurden. Zu sehen sind vor allem Rollentausch von Tier und Mensch, in denen z.B. Hasen mit besonderer Sympathie und Jäger mit besonderer Schadenfreude bedacht wurden, sowie Umkehrungen von vorwärts zu rückwärts und oben zu unten.

Der umgekehrte Globus ist ein Detail aus einem Gemälde von Pieter Brueghel dem Älteren von 1559. Er vereinte die Darstellung von niederländischen Sprichwörtern in dem Gemälde Nederlandse Spreekwoorden und karikierte zugleich die damit gemeinten Narreteien der Menschen, die zum Beispiel Rosen vor die Säue werfen oder mit dem Kopf durch die Wand wollen.

In dieser Ausgabe unseres Almanachs zeige ich Bildergeschichten, Beschreibungen in der Satire vergangener Jahrhunderte (die mitunter seltsam aktuell anmuten), einen Song zum Thema, ich lade ein zu einer botanischen Exkursion nach Afrika und gebe eine kleine plattdeutsche Anekdote und ein Gedicht dazu.


Besonders beliebt waren Bilderbögen und Vignetten mit Darstellungen einer verkehrten Welt. Comic-Strips der frühen Zeit. Man musste nicht lesen können, um zu schmunzeln und sie zu verstehen.

Eine Auswahl populärer Bildergeschichten…


Mit seinem „Narrenschiff“ begründete Sebastian Brant die literarische Satire in deutscher Sprache. Sein Artikel über den „Grobian“ legt die Vermutung nahe, Alles sei schon einmal da gewesen.

Wie man früher die Verkehrte Welt sah und beschrieb, zeigt diese poetische Litanei zum Thema.


Dieser seltsam anmutende Baum sieht aus, als sei er verkehrt herum gewachsen.

Legenden und Tatsachen über den Baobab.


Die erste Strophe dieses Lieds kennt (fast) jede(r). Nur niemand weiß, wer sie sich ausgedacht hat.

In einer Neuvertonung hier der Nonsense-Song „Dunkel war’s, der Mond schien helle…“


Wie ist das nun eigentlich dort „gegenüber“ – down under? Hängen die Menschen dort kopfüber vom Fußboden herab? Und: Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und finden sich wieder in einer kafkaesken Situation.

Eine Kindheitserinnerung und ein kleines Gedicht in plattdeutscher Sprache.